Wartungseinheit 32 der NVA für das Schutzbauwerk 16/017 - Chronik

- Nichtveröffentlichte Erinnerungen -

© Hertwig und Co. / 2008, ergänzt 2018


6. Die Zeit der Wende 1989/ 1990

Wer mit wachem Verstand die Entwicklung der DDR in den 80er Jahren verfolgte, dem entging nicht die Zunahme diverser Widersprüche in der gesellschaftlichen Ent­wick­lung.

Abbildung 6.1 Zumindest in der Kaserne galt „die Zustimmung zu den Kandidaten der Nationalen Front“ bei Wahlen (Foto entstand 1988) fast bis zum Schluss als sichere Sache.

Auch wenn die NVA von vielen Problemen „abgeschirmt“ wu­rde, diskutierte man im engen Freundeskreis, in der Familie und manchmal auch im Dienst- beziehungsweise Ar­beits­kol­lek­tiv schon die auffallenden Merk­würdigkeiten. Engpässe in den Kaufhallenregalen kamen dabei genauso zur Sprache wie das Verbot der sowjetischen Monatszeitschrift „Sputnik“ in der DDR 1988 oder gewisse bürgerbewegte Widerstände gegen die Wahlergebnisse vom Mai 1989 und das nach fol­gen­de massenhafte Verlassen ihres Landes durch junge Leute.
   Die mit der „Wende“ vom DDR-Verteidigungsministerium zögerlich in Gang gesetzte Militärreform brachte zunächst lediglich optische Änderungen. Anfang Januar 1990 trat in der gesamten NVA eine äußerst kritische Situation ein, welche wegen des un­ent­schlos­se­nen Handelns der Armeeführung nicht entschärft werden konnte.

   Naheliegender jedoch war das Kompensieren von Lücken in Kasernenalltag in der WE-32, die im Januar 1990 durch die ministeriell verfügten vor­zei­ti­gen Entlassungen von Soldaten und Unteroffizieren entstanden.
   Eine spannende Erfahrung für die militärische Führung der Wartungseinheit war die Öff­nung in Richtung Zivilbereich. Die Zeit der Runden Tische brachte es mit sich, dass Bür­gerkomitees wie auch Vertreter der neuen Macht in der Kreis­stadt der Kaserne Hen­nicken­dorf einen Besuch abstatteten und sich vor Ort über Charakter und Aufgaben der Dienststelle informierten. Ihr Wunsch waren beispielsweise offene, al­ler­dings nach Dientsgradgruppen getrennte Gespräche mit den Soldaten, Berufsunteroffizieren, Fähnrichen und Offizieren. Klar war außerdem, dass man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr krampfhaft verschweigen musste, dass es hier ein unterirdisches Schutzbauwerk gibt.
Berührungsängste gab es im Großen und Ganzen keine und mancher der Beteiligten spricht beispielsweise auch Jahre später voller Hochachtung über das Auftreten von Pfarrer Detlev Riemer aus Luckenwalde.
   Andererseits: So mancher in der Kaserne konnte sich ein breites Grinsen nicht ver­knei­fen, als er in seiner regionalen Tageszeitung „Märkische Volksstimme“ ein Foto des nunmehr „Bürgerbewegten“ Horst W. sah. So schnell also konnte die Wende auch für einen gewesenen Major der Militärabwehr verlaufen...

   Wenn zu jener Zeit etwas wirklich pro­blematisch war, dann war es die Sorge vie­ler Berufssoldaten um ihre Zukunft nach den letzten DDR-Volks­kam­mer­wahlen (18. März 1990). An der fehlenden Pers­pektive für die NVA änderte auch die von „Ham­mer, Zirkel und Ährenkranz“ befreite Müt­zen­kokarde oder die Ablegung des ge­än­der­ten Fahneneides am 20. Juli 1990 nichts.
   Am 2. Oktober 1990 wurde - wie in allen NVA- Dienststellen - befehlsgemäß die Dienst­flag­ge eingezogen. Das Kommando zum Flaggeneinholen gab der Stellvertreter des Stabschefs.
Zudem mussten an jenem Tag um 24 Uhr alle Hochspannungssicherungsanlagen im Hauptobjekt und den drei Außenanlagen abgeschaltet werden. Um Mitternacht zo­gen die Soldaten der Objektwache als erste die neue Bundeswehruniform an.

1989: Zunehmender Frust bei vie­len Bürgern der DDR blieb auch den Soldaten nicht verborgen











































Besuch vom Bürgerkomitee in der Kaserne



























02.10.1990: Der Stellvertreter des Stabschefs durfte das Flag­gen­ein­holen kommandieren - den Bunker betreten durfte dieser Stellvertreter hingegen nicht. Auch eine Art Sicherheits-Paranoia gegenüber dem, der den StKSC in seiner Abwesenheit vertreten musste

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