Wartungseinheit 32 der NVA für das Schutzbauwerk 16/017 - Chronik

- Nichtveröffentlichte Erinnerungen -

© Hertwig und Co. / 2008, ergänzt 2018


4. Nutzungsphase ab 1970


4.2. Das Wachbataillon 2 (1970 bis 1976)

Zur Bewachung des Objektes Hennickendorf und seiner drei Außenanlagen wurde auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung mit der Überführung der WE-17 in die Ständige Ein­satzbereitschaft 1970 ein Wachbataillon neu aufgestellt. Das Wachbataillon 2 unterstand dem Stellvertreter des Chefs des Hauptstabes für Allgemeine Fragen.

Abb. 4.19 Anlage zum Plan der Sicherung und Verteidigung der „FSt. Nr. I“
(Der Plan wurde am 25.10.1971 vom Chef des Haupstabes, GO Heinz Keßler, bestätigt und trug die GVS-Nr. A 72 676)


Das WB-2 war gegliedert in 3 Wachkompanien und die erforderlichen Sicherstellungskräfte.



Hauptmann Dieter Arlt (StKRD) kam als Vor­kom­mando im Juli 1970 nach Hennickendorf; ihm wur­de die erste Wachkompanie unter Leitung von Ober­leutnant Knut Bauermeister unterstellt. Das Personal der 1. Wachkompanie, zusammengesucht ab April 1970, rekrutierte sich aus Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten des Sicherstellungs- und Wachbataillons Geltow sowie des Wach­re­gi­mentes 2 aus Strausberg. Am 1. September 1970 traten Hauptmann Walter Achnitz (StKA) und Oberleutnant Ekkehart Kother (StKSC) im Wach­bataillon ihren Dienst an. Die Führung des Wachbataillons 2 wurde OSL Werner Schulz (†) übertragen, der zuvor im Fallschirmjägerbataillon 5 diente. Die Aufstellung der 2. Wachkompanie unter Führung von Oberleutnant Attila Golz erfolgte im Oktober 1970. Die 3. Wachkompanie unter Führung von Major Dieter Lewe wurde im Mai 1971 aufgestellt.












Hauptaufgabe des WB-2: Bewachung und Sicherung der „FSt. Nr. I“





















































Juli 1970: Beginn der Aufstellung des Wach­bataillons 2
 

Hauptbewaffnung der Kompanien waren je 10 Schützenpanzerwagen SPW 60PB, die sowohl in die Rundumverteidigung des Objektes bei höheren Stufen der Ge­fechtsbereitschaft einbezogen werden konnten, vor allem aber auch dem geschützten Transport von operativen Kräften zwischen dem Außenobjekt bei Märtensmühle und den Schutzbauwerk dienten. Die Wachkompanien bestanden aus jeweils drei Wachzügen. Jeder Zug mit drei Gruppen besaß neben der Standardbewaffnung Maschinenpistole KM auch 6 leichte Maschinengewehre lMG-K und 3 Panzerbüchsen RPG-7. Die LMG- und RPG-Schützen waren zusätzlich mit einer Pistole M zur Selbstverteidigung ausgerüstet.


Wachdienstregime
Im täglichen Wachdienst zogen die Wachposten mit Maschinenpistolen und in bestimmten Postenbereichen auch mit den leichten Maschinengewehren auf. Bewacht wurden rund um die Uhr das Hauptobjekt und die abgesetzten Funksendestellen AF-1 und AF-2 sowie der Hub­schrau­berlandeplatz. Die Bewachung der einzelnen Objekte wurde durch eine Sicherungsanlage ES-10, später durch eine Hochspannungsanlage (HSA) unterstützt.

Für die Bewachung wurde der Per­so­nal­bestand einer Wachkompanie benötigt. Das Wachregime war so organisiert, dass sich wochenweise je zwei Wach­kompanien im Wachdienst ablösten, während auf dem Dienstplan der jeweils nicht im Wachdienst eingesetzten dritten Kompanie Ausbildung stand. Gemäß damaligen Doktrinen hatte die Politische Schulung (2 Tage pro Monat) den Vor­rang vor jeglicher anderer Ausbildung (Schießausbildung, Gefechtsdienst, Exerzier-, Sanitäts- und Schutz­aus­bil­dung sowie militärische Körperertüchtigung). Insofern war es für den Stellvertreter des Kommandeurs für Ausbildung ein ständiger Kampf um die optimale Ausnutzung der knapp bemessenen Ausbildungszeit der für jeweils ein Halbjahr ausgelegten Ausbildungsprogramme.

Die Hauptbewaffnung des WB-2

Ausbildung
Bis auf den Hunderter genau waren die Kosten für den Bau des Schutzbauwerkes und seiner Nebenanlagen beziffert.

Abb. 4.23 Offiziere aus der vorgesetzten Straus­ber­ger Verwaltung kontrollierten regelmäßig den Aus­bildungsstand und die körperliche Fitness der Wachsoldaten.

Nur, die Errichtung jeglicher Aus­bil­dungs­anlagen fehlte in dieser Bilanz. So kam es, dass das Wachbataillon anfangs auf keinerlei Ausbildungsbasis zur­ück­greifen konnte. Dank der Eigeninitiative des Bataillonsstabes, hier insbesondere des StKTA Major Achnitz (†), wurden die Ausbildungsanlagen in den Jahren 1970 bis 1976 im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden gestampft (siehe Kapitel 5 „Dienst- und Lebensbedingungen“).
Wichtiger Bestandteil der militärischen Ausbildung war der am Ende eines jeden Ausbildungshalbjahres zugweise durchzuführende „Härtekomplex“. Er galt als Gradmesser für die körperliche Fitness der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere sowie auch als geeignete Ausbildungsform, um den Kollektivgeist unter besonderen Stressbedingungen beweisen zu können.


Soldatenalltag
Neben dem Wachdienst und der militärischen Ausbildung prägten eine Vielzahl sonstiger Ereignisse den militärischen Alltag im WB-2.

Gewisse Höhepunkte bildeten die jedes halbe Jahr durch­zu­füh­renden Neu­ein­be­rufungen junger Wehrpflichtiger. Zu den in der Volksarmee üblichen Ritualen ge­hör­te dabei die Übergabe der per­sön­li­chen Bewaffnung durch Ar­bei­ter­ve­te­ranen oder Kampfgruppenangehörige.
Das Wachbataillon 2 existierte als selbständige Einheit bis November 1976, um danach gemäß geänderter Struktur in der neu zu formierenden Wartungseinheit 32 aufzugehen. Im letzten Jahr vor der Neuformierung übernahm OSL Bernhard Serdinski für ein halbes Jahr die Führung des WB-2 von OSL Schulz, welchem eine neue Aufgabe im MSR-2 in Stahnsdorf übertragen wurde. Von November 1975 bis November 1976 wurde das Wachbataillon 2 von Hauptmann Ekkehart Kother geführt.


Episoden
Meldepflichtig war manch Unfall mit NVA-Technik. Ein W50 endete an einem Baum als To­talschaden, weil dem Fahrer, der samstags die Milch aus Luckenwalde zu holen hatte „seine“ Milchflasche auf dem Beifahrersitz umfiel. Der Griff zur Flasche war da genau einer zuviel. Ein LO endete als Totalschaden, weil sich der Fahrer von der tiefstehenden Sonne geblendet fühlte. Und ein B 1000 musste abgeschrieben werden, nachdem der Fahrer am Hen­ni­cken­dorfer Ortseingang einer stürzenden Radfahrerin auswich und dabei die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
Betrüblich für alle Beteiligten war der zeitweilige Verlust eines Schützenpanzerwagens. Der SPW 60PB wurde bei der Schwimmausbildung in Hohenstücken „versenkt“ und konnte später dank schwerer russischer Pioniertechnik wieder geborgen werden.
Sieben Verletzte vermeldet die Statistik eines Unfalles am sogenannten Soldatengrab zwischen Hennickendorf und Märtensmühle. Der Kraftfahrer fuhr mit zu hoher Geschwindigkeit in die dortige Kurve...
Nicht meldepflichtig hingegen war ein Malheur, welches dem Major Müller passierte. Unbedachterweise befahl der Fahrlehrer, während er sich genüsslich eine Zigarre anbrannte, seiner Fahrschülerin Frau B. „Bremsen Sie“. Die gute Frau tat wie ihr befohlen, des Majors Kopf schlug heftig an die Windschutzscheibe und die Zigarre sah aus wie ein Blumenkohl...



Anfangs keinerlei Ausbildungsanlagen vorhanden




















































Unfälle mit LKW und Schützenpanzerwagen

Inhalt

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