Wartungseinheit 32 der NVA für das Schutzbauwerk 16/017 - Chronik

- Nichtveröffentlichte Erinnerungen -

© Hertwig und Co. / 2008, ergänzt 2018


5. Dienst- und Lebensbedingungen in der Kaserne und am Standort


5.1. Gesellschaftliches Leben in der Kaserne

Gleichzeitig mit der Schaffung der militärischen Strukturen wurden sowohl in der WE-17 als auch im WB-2 die Partei- und gesellschaftlichen Strukturen geschaffen. In der WE-17 bestand eine SED-Grund­or­gan­isation mit einem gewählten ehrenamtlichen Parteisekretär. Im WB-2 bestanden in den Kom­pa­nien und im Stab des Bataillons Parteigruppen. Im Bataillon selbst wurde aus allen Par­teigruppen eine Grund­or­ga­ni­sa­tion mit einem strukturmäßigen Parteisekretär gebildet. Ab 1986 gab es eine Zentrale Parteileitung (ZPL). Die FDJ-Strukturen gestalteten sich ähnlich den Parteistrukturen. Im WB-2 gab es einen hauptamtlichen FDJ-Sekretär, in der WE-17 einen ehrenamtlichen Sekretär. Nach der For­mie­rung der WE-32 wurde die Jugendarbeit durch einen hauptamtlichen Offizier für Jugendarbeit ko­or­di­niert.
   Alle Zivilbeschäftigten des WB-2 und später der WE-32 waren in einer Gewerkschaftsgruppe or­ga­ni­siert. In enger Abstimmung mit der Gewerkschaft sicherte die militärische Führung die Einbeziehung der Zivilbeschäftigten sowohl in die militärischen Prozesse wie auch in das gesellschaftliche Leben. So ge­hör­ten beispielsweise die jährlichen kleinen Feierstunden des Kommandanten mit allen weiblichen Be­schäf­tigten der Dienststelle am Internationationalen Frauentag durchaus als Wertschätzung der täg­li­chen Arbeit der Kolleginnen wie auch der weiblichen Berufssoldaten.


Abbildung 5.1 Regelmäßig lud der Kommandant (4.v.r.) am Internationalen Frauentag die weiblichen Armeeangehörigen und Zivilbeschäftigten zu einer kleinen Feierstunde ein



Gruppen- und Grund­or­ga­ni­sa­tionen der SED und der FDJ















Die Zi­vil­be­schäf­tigten waren in der Gewerkschaft FDGB or­ga­ni­siert

Mit Schaffung der militärischen Strukturen wurden gleichzeitig Sportgruppen geschaffen. Sie trugen den Namen des jeweiligen militärischen Vorgesetzten. Leiter der Armeesportgemeinschaft (ASG) war von 1970 bis 1976 der Stellvertreter Ausbildung des WB-2, ab 1976 wurde die ASG-Arbeit durch die Po­lit­ab­tei­lung angeleitet.
   Der Sport inner- und außerhalb der Kaserne galt als wichtiger Beitrag für eine sinnvolle Frei­zeit­ge­stal­tung und stabile Leistungen in der militärischen Körperertüchtigung (MKE). Zugleich förderten sportliche Aktivitäten im Wohngebiet wie in der Kreisstadt Akzeptanz und Anerkennung der Ar­mee­angehörigen.


Abbildung 5.2 Die erfolgreiche Volleyballmannschaft der ASG Vorwärts Luckenwalde (1978)

Besondere Leistungen wurden auf dem Gebiet des Volleyballs erbracht. Hier spielten die Mannschaften im bezirklichen Wettkampfbetrieb. Die 1. Mannschaft spielte in der Bezirksliga Potsdam, die 2. Mann­schaft in der Bezirksklasse.

Abbildung 5.3 Schwimmende Soldaten mit Stahl­helm auf dem Kopf und Holz-Mpi auf dem Rücken waren zwischen 1970 und 1990 in den Som­mer­mo­naten im Luckenwalder Freibad immer mal wieder zu sehen.

Herausragende Leistungen konnten auch in der Sektion Sportschießen erzielt werden. Vertreter der ASG Luckenwalde kämpften mit um die Ar­mee­meistertitel. Dabei gehörten Stabs­ober­fähn­rich Gerhard Schmidt, Ober­fähn­rich Pösch­la, Stabsfähnrich Wolfgang Gutsch und Major Sieg­fried Firyn zu den besonders treffsicheren Schützen.
In den Jahren 1972 bis 1976 waren bis zu sie­ben Angehörige der ASG als Gastspieler beim TSV Luckenwalde in der 1. Fußballmannschaft eingesetzt.
Zu den jährlichen Wettkampfhöhepunkten ge­hör­ten aber auch die Schwimmsportfeste im damaligen Freibad „X. Weltfestspiele“ in Lucken­walde.


Erfolgreiche Armee­sportgemeinschaft (ASG)










Die Sektionen Volleyball sowie Sportschießen leisteten Her­aus­ragendes

5.2. Baugeschehen in und außerhalb der Dienststelle
Im Jahre 1970 waren neben dem Schutzbauwerk auch die Unterkunftsblöcke, die beiden Stabsgebäude (für WE-17 und für WB-2) sowie Einrichtungen der Infrastruktur (Küche, Med.-Punkt, Werkstatt, Heizhaus, Klubgebäude, Verkaufsstelle und Gaststätte) vorhanden. Laut Übergabe-/Über­nah­me­pro­tokoll von 1970 sollten innerhalb kürzester Zeit auch die Außenpunkte HSP sowie AF-1 und AF-2 fertiggestellt werden.
Von Anfang an zeigte sich, dass beim Baugeschehen des Objektes 16 / 017 nicht an die Errichtung einer notwendigen Ausbildungsbasis für die allgemein-militärische Ausbildung und die Schieß- und Tak­tik­aus­bildung gedacht wurde. Walter Achnitz erinnert sich:

„Für diesen Bereich war bei Aufstellung der WE-17 und des WB-2 nicht die geringste Basis be­zieh­ungs­wei­se Ausrüstung vorhanden. Es gab keine entsprechenden Plätze, Anlagen, Räume und Aus­rüs­tungen. Das widersprach natürlich den Forderungen nach ständiger Erhöhung der Ge­fechts­be­reit­schaft. Es war also unbedingt notwendig, mit Tatendrang und vor allem viel Eigeninitiative in relativ kurzer Zeit entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Unser Ziel war klar umrissen: Mit den wenigen, jährlich zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln eine ausreichende und dau­er­haf­te Ausbildungsbasis zu schaffen.“

Als erstes wurde die Errichtung einer kleinen sportlich-militärischen Kampfbahn in Angriff genommen. Finanzielle Mittel dafür waren nicht vorhanden. Nach eigenen Vorstellungen und mit dem zahlreich beim Bau des Bunkers „übriggebliebenen“ Material konnte die Bahn kurzfristig in Eigenleistung er­rich­tet wer­den. Die Kampfbahn wurde von der Abteilung Ausbildung beim Stellvertreter des Chefs des Hauptstabes für Allgemeine Fragen als nachahmenswertes Beispiel für andere Einheiten (zum Beispiel das Wach- und Sicherstellungsbataillon Geltow) empfohlen.
   Einher mit den ersten Schritten zum Aufbau einer eigenen Ausbildungsbasis ging das Anlegen einiger Volleyball- und Federballplätze innerhalb der Kaserne für den Freizeitsport.


Abbildung 5.4 Auch dieser zwischen den Unterkunftsblöcken angelegte Volleyballplatz diente vor allem dem Freizeitsport

Die weiteren ins Auge gefassten Vorhaben zur Vervollkommnung der Ausbildungseinrichtungen ließen sich - DDR-typisch - nur dank enger und vor allem freundschaftlicher Beziehungen zu jenen Betrieben des Territoriums, welche über diverse Baustellen-Technik verfügten, realisieren. Ihren Ausgangspunkt nahm die fruchtbringende Zusammenarbeit „zum gegenseitigen Vorteil“ darin, dass der Vorstand des TSV Luckenwalde (führender und traditionsreicher Sport- und Fußballverein der Kreisstadt) sehr daran in­ter­es­siert war, gute Fußballspieler aus den Reihen der Soldaten zu bekommen. Entsprechende Ge­gen­leistungen wurden in Aussicht gestellt und letztlich war sich die Bataillonsführung des WB-2 einig, auch die ent­spre­chen­den organisatorischen Dinge zum kurzzeitigen Freistellen der Soldaten von dienst­lichen Aufgaben um­zu­setzen. Gleiches galt für die Abstellung von Soldaten, die etwas von Bauen ver­standen, für die geplanten Arbeiten rund ums Objekt.
   Mit der Meliorationsgenossenschaft Luckenwalde, dem VEB (K) Bau Luckenwalde und anderen ent­wickelte sich eine sehr enge Zusammenarbeit, Das WB-2 bekam so Maschinen und schwere Bau­fahr­zeu­ge wie Planierraupen, Kräne, Tieflader und anders „zum Selbstkostenpreis“ ausgeliehen. Auch bei Bau­ma­te­rialien wie Zement und Betonfertigteilen einigte man sich freundschaftlich auf „den Ein­kaufs­preis“. Manch ausgedientes Zementsilo und manch abgeschriebener Betonmischer leistete in Hen­nicken­dorf noch jahrelang gute Dienste. So und nur so war es möglich, in den ersten fünf bis sechs Jahren eine Aus­bil­dungs­ba­sis zu schaffen, welche durch die Vorgesetzten im MfNV als beispielgebend bewertet wurde.
   „Nebenbei“ fiel bei allem Baugeschehen sogar noch die Umgestaltung der üblen Sandpiste zwischen Objekt und Dorfeingang zu einer DDR-mäßig hergerichteten Fahrbahn ab.





















Erster Schritt zur Schaffung einer ei­ge­nen Aus­bil­dungs­basis war die Errichtung ei­ner sport­lich-mi­li­tär­ischen Kampf­bahn

































Darin unterschied sich auch Hen­nicken­dorf nicht vom Rest der Republik: Beim Bauen kam es immer auf die richtigen Be­zie­hungen an - um­gangs­sprach­lich war das das so genannte „Vitamin B“

Gemeinsam konnten folgende Ausbildungsanlagen errichtet werden: Sturmbahn, In­fan­terie­schießgarten, Kleinsporthalle, Kleinsportplatz, Schießstand und Stellungen für die Tak­tik­aus­bil­dung:

• Sturmbahn
Geplant und finanziert durch die Abt. Ausbildung beim Vorgesetzten im MfNV, gebaut von örtlichen Betrieben

• Infanterieschießgarten
Geplant und finanziert durch MfNV, gebaut in Eigenleistung in Zusammenarbeit mit der PGH Elektro Luckenwalde

• Kleinsporthalle

In Eigenleistung nach eigenen Vorstellungen, ohne finanzielle Mittel und Möglichkeiten mit übriggebliebenen Betonteilen und Materialien vom Bau des Hauptobjektes (zum Beispiel Decke aus der Küche, vor der Renovierung sichergestellt).
Entwurf und statische Berechnung des Bau­pla­nes in Eigenleistung (Bestätigung der Statik durch das Bauamt Luckenwalde). Die Bau­ab­nah­me erfolgte durch Bauingenieure aus dem MfNV.






• Kleinsportplatz
In Eigeninitiative und ohne Mittel (geringe Geldmittel durch Einsparung im Ausbildungsfonds mit Genehmigung des MfNV). Auf Grund des zu weichen Bodens war nur ein Platz mit Bitumenbelag möglich. Der Platz wurde als Eigenleistung mit hohem Arbeitsaufwand für Wälle und Rasen-Soden angelegt. Die Melioration beziehungsweise Forst unterstützte das Vorhaben mit Planierraupen.

• Schießstand

Dieser entstand völlig in Eigeninitiative, lediglich 70.000 Mark Zuschuss kamen vom MfNV. Für die Baupläne und statischen Berechnungen en­ga­gier­ten sich Soldaten und Unteroffiziere, die im Zivilleben als Bau­in­ge­nieu­re arbeiteten. Die statischen Berechnungen wurden durch das Bau­amt Luckenwalde be­stätigt.
Der Schießstand wurde mit sicherem Ku­gel­fang, Unterstand, Betontraversen (mit Ei­sen­bahn­schwellen belegt) und stabilen Sei­ten­wäl­len sowie einem kleinen Gebäude als Lager be­zieh­ungs­weise Munitionsausgabeestelle ge­baut. Auf dem Schießstand konnte mit sämt­lichen in der Einheit vorhandenen Waffen (einschließlich der Turmbewaffnung „KPWT“ und „PKT“ der SPW 60 PB) geschossen wer­den. Der von Ex­per­ten geschätzte Wert des Schießstandes belief sich nach Fertigstellung auf 1,5 Mil­lio­nen Mark!

• Anlagen für die Gefechtsdienstausbildung
Zur Erhöhung einer realitätsnahen Taktikausbildung wurden Infanterie- und Gruppenstellungen aus Be­ton­fertigteilen mit Gruppenbunkern errichtet. Die Gruppenstellungen wurden dabei so angelegt, dass sie im Ernstfall beziehungsweise bei Gefechtsalarm zur Rundumverteidigung des gesamten Objektes voll genutzt werden konnten.
   Für diese Stellungen gab es finanzielle Unterstützung zum Kauf der Betonteile. Bei der Abholung der Be­ton­teile von den Betonwerken (beziehungsweise auch bei ihrer Anlieferung per Bahn) war aus­schließ­lich Eigeninitiative angesagt. Wenn solche Teile in der Nacht ankamen, war wegen des üblichen „Standgeldes“ der Bahn besondere Eile geboten und so kam es schon mal vor, dass der Technikpark der Partner von der Melioration kurzfristig mitten in der Nacht anrückte. Teilweise wurden auch ganze Fahrzeugkolonnen von Hohenseefeld (bei Jüterbog) eingesetzt.
   Letztlich konnte die Gefechtsdienstausbildung, vor allem die infanteristische Panzernahbekämpfung, durch Aufstellung eines ausgedienten Panzers T-34 und die militärische Körperertüchtigung dank Lie­fe­rung von mehreren Dutzend schwergewichtigen Panzerkettengliedern verbessert werden.


Der Ausbau der Ausbildungsbasis war im Wesentlichen bis zum Jahre 1976 abgeschlossen.
   Durch umfangreiches Baugeschehen war in den Jahren 1978 bis 1981 das Leben in der P-Zone geprägt, als die notwendige Rekonstruktion am Schutzbauwerk lief (Zur Rekonstruktion: siehe auch Kapitel 4).
Im Zeitraum 1985 / 86 wurde für die Wachkompanien der WE-32 ein ganz neuer Unterkunftsblock (Nr. 10 in Skizze 5.7) errichtet. Damit endete zugleich das mehr als zehn Jahre währende Provisorium der Un­ter­bringung zweier Einheiten in Holzbaracken.


Abbildung 5.7 Die Kasernenanlage Hennickendorf im Jahre 1986. Für die zwei Holzunterkunftsbaracken aus der Anfangszeit (blau markiert) kam das enndgültige Aus

Abbildung 5.8 Der neue Unterkunftsblock Nr. 25

   In den 80-er Jahren konnten auch im Park­be­reich bessere Arbeitsbedingungen durch Re­kons­truktion beziehungsweise Neubau des Ge­bäu­de­komplexes für Werkstatt, Feuerwache, Unterkunftsdienst, B/A-Lager und TS-Lager geschaffen werden. Es entstanden neue Wasch­ram­pen für die Technik und der OvP-Bereich wurde neu gestaltet. Letztlich erfolgte in jener Zeit auch die Rekonstruktion des Kü­chen­trak­tes und der Speisesäle.
   Durch den engagierten Einsatz von Oberst Werner Gohlke gelang es, auch gegen hart­näcki­gen Widerstand mancher „Be­den­ken­trä­ger“, im seenreichen Nachbardorf Dobbrikow aus einem Brachgelände ein schmuckes Nah­er­ho­lungs­zentrum zu entwickeln. Es gab wohl kaum einen Berufssoldaten der Dienststelle, der dieses Naherholungszentrum nicht selbst genutzt hatte. Die hohe Auslastung sprach für die Beliebtheit dieser Einrichtung.

Dank der Part­ner­schaft mit örtlichen Betrieben und Ein­richtungen war der weitere Ausbau der Ausbildungsbasis möglich: Sturmbahn, Schieß­garten, Sport­halle, Klein­sport­platz, Schießstand und vieles mehr

































Das „Tüpfelchen auf dem i“: Der selbst errichtete Schieß­stand














































Legende:
1 Kontrolldurchlass
2 Gaststätte & MHO
3 Klubgebäude
4 Med.-Punkt
5 Gebäude 5
6 Gebäude 6
7 Gebäude 7
8 Küche/Speisesäle
9 Stabsgebäude
10 Unterkunftsbl. 25
11 Montageschacht
12 Leichtbauhallen
13 Tanklager
14 Kfz.-Werkstatt
15 Gefechtspark
16 Wasserwerk
17 Heizhaus

5.3. Leben im Standort

An der Verbesserung der Lebensbedingungen der Soldaten und Zivilbeschäftigten wurde systematisch und manchmal auch gegen „neidvollen Widerstand von oben“ gearbeitet. Im Jahre 1970 / 71 gab es für die Un­ter­brin­gung der Außenschläfer lediglich einen Wohnblock in Hennickendorf und ein paar Woh­nungs­ein­hei­ten in der Brahmbuschstraße in Luckenwalde.


Abbildung 5.9 Was im Jahre 2007 von den beiden Wohnblöcken in der Frie­sen- und in der Arndtstraße übrig blieb: Nichts.

Im Zuge der weiteren Auffüllung des Stellenplanes mit Berufssoldaten machte sich eine Zuweisung von ent­sprechendem Wohnraum immer notwendiger. Im Sinne der Gefechtsbereitschaft galt es aber auch, alle Anstrengungen zur Einhaltung der „x-Zeiten“ (85-prozentige personelle Stärke nach x + 60 min.) zu un­ter­nehmen. So ergab sich mit dem Bezug von zwei Wohnblöcken in der Arndt- und in der Friesenstraße in Luckenwalde ab August 1972 eine entscheidende Verbesserung der Versorgung mit Wohnraum. Durch die Schaffung einer Unterstellmöglichkeit für den Dienststellenbus am Wohnblock Friesenstraße konnten auch die geforderten x-Zeiten bei Alarmierungen eingehalten werden.
   Aktiv arbeiteten auch die Mieter des Wohnblockes in Hennickendorf an der Verbesserung des Um­feldes - durch den Bau von Garagen und die Anlage von Gärten sowie der Gestaltung der Frei­flä­chen. Besondere Aufmerksamkeit schenkten die militärischen Führungen der Präsenz von Be­rufs­sol­daten in der Öf­fent­lich­keit. Aus einer Analyse vom Jahre 1987 ist zu ersehen, dass über 80 Offiziere, Fähnriche und Be­rufs­unter­offiziere in gesellschaftlichen Funktionen im Kreis Luckenwalde tätig waren.

Abbildung 5.10 Die Gruppe „Hedos“ erspielte sich unter jungen Leuten einen guten Ruf

   Zur Gewährleistung freundschaftlicher Be­zieh­ungen zum Territorium bestanden sehr enge Verbindungen zu den Bürgermeistern in Hen­nickendorf und Dobbrikow sowie zum Vor­sit­zenden der LPG Pflanzenproduktion, dem Di­rektor des VEB Kraftverkehr, dem Leiter des Meliorationskombinates Potsdam. Ohne die gute Zusammenarbeit mit diesem Personenkreis wäre es für die Ver­ant­wort­lichen der WE-32 oft schwerer gewesen, die ge­plan­ten Vorhaben zu realisieren.
   In den Jahren 1972 bis 1986 existierte eine dienststelleneigene Kapelle („Hedos“). Diese traten zu den verschiedenen Anlässen in der Öffentlichkeit auf und fanden vor allem bei der Jugend im Territorium einen regen Zuspruch.
   Natürlich konnten Soldaten im Ausgang oder als Gruppen- beziehungsweise Zugexkursionen einige Freizeit-Angebote der Kreisstadt und ihrer Umgebung nutzen. Beliebt waren nicht nur die Ba­de­ver­gnü­gen in Dobbrikow sondern auch die Theaterbesuche im Stadttheater Luckenwalde. Kulturelle Ein­rich­tun­gen in der Stadt wurden aber auch von den hier wohnenden Berufssoldaten gern genutzt, wie zum Beispiel die Tanzabende in der so genannten „Mensa“.










Im August 1972 waren die bei­den Wohnblöcke in der Lucke­nwalder Arndt- und in der Friesenstraße bezugsfertig

5.4. Beziehungen zu Soldaten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD)

Während Truppenteile und Einheiten der Landstreitkräfte, der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung und der Volksmarine zumeist Partnerschaftsbeziehungen mit GSSD-Einheiten analoger Bestimmung pflegten, war zumindest dies auf Grund der Spezifik und auch aus Gründen der Geheimhaltung in Hennickendorf so gut wie nicht möglich. Die 1972 geknüpften Waffenbrüderschaftsbeziehungen zur sowjetischen Dienst­stelle „Luckenwalde II“ ließen eine wirkliche militärische Zusammenarbeit nicht zu, erfuhren dafür bei kul­tur­el­len Veranstaltungen, gegenseitigen Besuchen zu Jahrestagen, bei Schießwettbewerben, sportlichen Ver­glei­chen und bei Treffen in der militärischen Führung hohe Wertschätzung und Herz­lich­keit. Hinter dem Kürzel „Luckenwalde II“ verbarg sich eine Transporteinheit für Treib- und Schmier­stoffe.
   Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass die Waffenbrüderschaftsbeziehungen auch für die Unter­offiziere und Soldaten erlebbar wurden. Regelmäßig fanden am Tag der Sowjetarmee, am Tag der NVA, am 1. und 8. Mai, dem 7. Oktober, zu Beginn der jeweiligen Ausbildungshalbjahre, am Tag der Ok­to­ber­re­volution sowie zum Weihnachts- und zum Jolkafest partnerschaftliche Veranstaltungen auf sport­lichen und auf kulturellem Gebiet statt.
   Höhepunkte bildeten die gegenseitigen Besuche von Familien sowohl im Objekt der sowjetischen Gar­nison als auch im Privatbereich der NVA-Angehörigen. Partnerschaftliche Exkursionen führten unter an­derem nach Potsdam und Dresden. Besondere Verdienste bei der Entwicklung und Pflege dieser Be­zieh­ungen erwarb sich Major Robert Kurschus (†).


Abbildung 5.11 Bei den Schießwettbewerben zählte nicht nur das Ergebnis sondern auch das gemeinsame Erlebnis - ähnlich wie in der original russischen Sauna. Hier zog man sprichwörtlich „für den Freund das letzte Hemd aus“

   Die Spezifik des Bereiches Nachrichten der WE-32 fand in gesonderten Waf­fen­brü­der­schafts­be­zie­hungen ihren Ausdruck. Etwa ab 1975 wurde die Dienstverwandtschaft zu einer Nachrichteneinheit der 132. Nachrichtenbrigade des Oberkommandos der GSSD (stationiert in Selterhof bei Treuenbrietzen) Stück für Stück erkennbarer. Auf Grund der häufigeren Teilnahme an gemeinsamen Maßnahmen der Warschauer Vertragsstaaten wurden in der Folgezeit die Kontakte umfangreicher und vielfältiger. Da Russisch die Kommandosprache der Armeen des Warschauer Vertrages war, lag es auf der Hand, auch den Nachrichtenbetrieb in der höheren Ebene teilweise auf russisch zu realisieren. Um dafür besser gerüstet zu sein, fand mit den Hennickendorfer Nachrichtenspezialisten regelmäßig Zusatz-Rus­sisch­unterricht statt.



Trotz vorhandener Geheim­hal­tungs­be­schränkungen wur­den auch durch die WE-32 Kontakte zu sowjetischen Par­tnern gepflegt.

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