Raketen- und Waffentechnischer Dienst (RWD) - Messtechnik

Messwesen



Die NVA verfügte zur Duchsetzung der Einsatzbereitschaft der Technik und Ausrüstung über ein eigenes und vom zivilen Bereich unabhängiges Messwesen, welches zumindest im Verantwortungsbereich des Raketen- und Waffentechnischen Dienstes auch die messtechnische Sicherstellung unter Gefechtsbedingungen mit einschloss.

1. Das Messwesen in der NVA

Die oberste Entscheidungsebene des Messwesens der NVA war die Abteilung Messwesen beim StMCTB.
Ihr unterstanden fachlich, sofern vorhanden, unterschiedlich strukturierte Einrichtungen des Messwesens der Waffengattungen und Dienste der Teilstreitkräfte der NVA. Mit der ihr direkt unterstellten Zentralen Messtechnischen Prüfstelle der NVA in Cottbus (ZMP, Sicherungsstempel NVA-00) verfügte die Abteilung Messwesen im MfNV über die zur fachliche Anleitung und messtechnischen Überwachung erforderliche personelle, technische und räumliche Basis.
Die ZMP verwaltete dazu auch die höchsten messtechnischen Etalons der NVA, mit denen in periodischen Abständen die Messnormale aller fachlich nachgeordneten Messtechnischen Prüfstellen zu beglaubigen waren. Nur in Fällen des Fehlens eines solchen Etalons in der erforderlichen Genauigkeit in der ZMP waren die nachgeordneten MTP verpflichtet, ihre Messnormale an den Etalons des ASMW (Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung) der DDR beglaubigen zu lassen.
Für die Instandsetzung von Messtechnik der NVA wurden durch die Abt. MW im MfNV jährlich umfangreiche Leistungsverträge mit dem Instandsetzungswerk Pinnow (IWP) des Kombinates Spezialtechnik Dresden und anderen ähnlichen Betrieben geschlossen, die dann von den Organen des Messwesens der Waffengattungen und Dienste zu bedienen waren.

Generalleutnant a. D. Dipl.-Ök. Ulrich Gall schreibt zu diesem Thema in seinen "Erinnerungen an den Dienstbereich Technik und Bewaffnung des Ministeriums für Nationale Verteidigung. - Entwicklung, Aufgaben, Struktur, Arbeitsweise und Probleme"
Das Mess- und Prüfwesen
Das Meßwesen der NVA war in den Jahren bis etwa 1965 nur in Ansätzen vorhanden. Im Wesentlichen wurden die Überprüfungen (Eichungen) der Meßgeräte durch die Bauaufsicht im Bereich Militärbauwesen und Unterkunft vorgenommen, sie war zuständig für Krane, Kesselanlagen u.a.. Die bis dahin vorhandenen Meßgeräte waren vorwiegend auf das Messen von Druck, Gewicht und anderen mechanischen Größen ausgerichtet. Mit der Einführung der Raketentechnik, moderner Flugzeugtechnik und anderer Hauptarten der Bewaffnung entwickelte sich der Bedarf an elektrischen, elektronischen, radiologischen und anderen Meßgeräten, es entstand die Notwendigkeit der Einführung eines Zeitdienstes. Erste Lösungen entstanden in den LSK/LV und im Raketen- und Waffentechnischen Dienst. Doch bereits nach kurzer Zeit mußten auch im MfNV die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. So entstand nach entsprechenden Analysen und organisatorischer Vorbereitungsarbeit in den Jahren 1970/71 die Abteilung Meßwesen mit der dem Leiter dieser Abteilung nachgeordneten meßtechnischen Prüfstelle in Cottbus. In enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Organen des Amtes für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (ASMW) wurde für die NVA ein System von Etalonen aufgebaut und das Eichsystem organisiert. Eine große Aufgabe bewältigten die Angehörigen der Abteilung bei der Einführung des internationalen Meßsystems SI. Probleme traten nur dort auf, wo bei importierter Technik das genannte System in den Herstellerländern nicht durchgesetzt worden war.


2. Das Messwesen im Verantwortungsbereich des Raketen- und Waffentechnischen Dienstes (RWD)

Der Strukturaufbau des Messwesens im Verantwortungsbereich des RWD war in den beiden Militärbezirken grundsätzlich identisch. Die weitere Darstellung erfolgt am Beispiel des MB III. Die Messtechnische Sicherstellung der Verbände, Truppenteile und Einheiten des Militärbezirkes III wurde durch einen beauftragten Offizier in der Abteilung RWD fachlich organisiert, geplant und geleitet.
Die praktische Umsetzung oblag
• der Messtechnischen Leitprüfstelle (Sicherungsstempel NVA-21) als Strukturelement der AWL-13
und der ihr dazu fachlich nachgeordneten Messtechnischen Prüfpunkte
• der BRTB-3 (Sicherungsstempel NVA-48)
• der BFRTB-3 (Sicherungsstempel NVA-52)
• und (Besonderheit im MB-III) der OHS "E. Thälmann" in Löbau (Sicherungsstempel NVA-10 ).
Alle MTP des RWD verfügten dazu sowohl über eine entsprechende stationäre Ausstattung und als auch über mobile Messtechnische Prüfstellen.
Die regelmäßige Prüfung und Beglaubigung der Messnormale erfolgte entsprechend der hierarchischen Struktur des Messwesens im RWD für die Prüfpunkte in der Leitprüfstelle und für die Leitprüfstelle in der ZMP bzw. in Ausnahmefällen beim ASMW.

Die mobile Ausstattung der MTP im MB-III umfasste folgende Fahrzeuge:
• Messtechnische Leitprüfstelle MTP-21:
   - 2 Fahrzeuge PKPP-1 als bewegliche Messtechnische Prüfstelle zur Prüfung von elektrischen Messgeräten vom
      Einbaumessinstrument bis zum Vielfachmesser und Oszillografen, Manometern, Drehmomentenschlüsseln, Stoppuhren und
      HF-Durchgangsleistungsmessern der Fla-SFL 23-4.
   - 1 Fahrzeug KRIL-1 als bewegliche Prüfstelle zur Prüfung elektronischer Messgeräte wie beispielsweise Oszillografen, Frequenzmesser
      und -generatoren, HF-Leistungsmesser und verschiedene Spezialmessgeräte der Funkmess- und Raketentechnik.
• Messtechnische Prüfpunkte der raketentechnischen Basen:
   je 1 Fahrzeug PKPP-1 als bewegliche Messtechnische Prüfstelle zur Prüfung von elektrischen Messgeräten vom Einbaumessinstrument
   bis zum Vielfachmesser und Oszillografen, Manometern, Drehmomentenschlüsseln und
   Stoppuhren, sowie spezieller Pulte der taktischen und operativtaktischen Raketentechnik und der Fla-Raketentechnik.

Bei unproblematisch zu behebenden Fehlern wurde auf allen Fahrzeugen auch sofortige Instandsetzung durchgeführt. Vorschriftswidrige Einbaumessinstrumente, Manometer, Vielfachmesser und Oszillografen wurden in aller Regel sofort ausgetauscht, um beim Verlassen des übrerprüften Truppenteils messtechnisch einsatzbereite Raketentechnik und Bewaffnung zu hinterlassen.
Die Prüfung wurde in den Begleitdokumenten der RTB nachgewiesen. Die überprüfte Messtechnik wurde mit Schiebemarken versehen.
Diese Marken trugen die Nummer der prüfenden MTP sowie Monat und Jahr der Prüfung.

Prüfsiegel
Auszug aus dem Begleitheft Teil 1 der RBS P-12 des BFEK-3.
Die messtechnische Überprüfung erfolgte entsprechend einer
Jahresplanung im festgelegten Zeitabständen oder im Rahmen
einer TW-2 in der AWL-13.

Schiebemarke der MTP-21
(AWL-13)



Bei der Sichtung von Bildmaterial wurden noch weitere Sicherungsstempel festgestellt, die z.Z. leider nicht alle zugeordnet werden können.
Vielleicht kann jemand helfen. :-)

Prüfsiegel
Prüfmarke der MTP-21 (AWL-13) eines Eichinstrumentes,
welches zur Prüfung anderen Messgeräte genutzt wurde.
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
MTP-20 (BRTB-5)MTP-22 (RWTL-2)
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
MTP-23 (AWL-15)MTP-24 (IBB-2)
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
MTP-30 (BFRTB-5)MTP-31
 
Prüfsiegel
MTP-33 (LSK/LV)
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
MTP-45MTP-48 (BRTB-3)
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
MTP-50 gehörte nicht zum RWD
prüfte Nachrichtentechnik
MTP-52 (BFRTB-3)
 
PrüfsiegelPrüfsiegel
LRM Mittenwalde
 

Weiter Kennzahlen waren folgendenden MTP zugeodnet:
   00   ZMP Cottbus
   11   OHS LaSK "E. Thälmann" Löbau
   17   Entwicklung, Instandsetzung und Gerätebau (EIG) Gumnitz
   55   IBB-2 (Fla-Raketen)
 196    IWP Pinnow

 

Quelle: D. Höhme

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